In einer 1970er-Wohnung ohne zentrale Lüftungsanlage steht man oft vor dem Dilemma: man möchte frische Luft, bessere Luftqualität und Feuchteschutz, aber umfangreiche Renovationen und Kanalarbeiten sollen vermieden werden. Ich habe in mehreren Altbauwohnungen dezentrale Lüftungsgeräte von Herstellern wie Zehnder getestet und eingebaut. In diesem Beitrag beschreibe ich praxisnah, wie ich eine Zehnder-dezentrale Lüftung in eine typische 1970er-Wohnung integriere – mit möglichst geringem Renovationsaufwand.
Warum eine dezentrale Lüftung?
Viele fragen: Brauche ich überhaupt eine Lüftungsanlage? In alten Wohnungen sind Wärmeverluste durch Fenster oft hoch, die Luftqualität ist schlecht (CO2, VOCs) und Feuchtigkeit aus Küche/Badezimmer kann zu Schimmel führen. Eine dezentrale Lüftung bringt:
kontinuelle Frischluftzufuhr ohne Fensteraufreißen,reduzierten Wärmeverlust durch Wärmerückgewinnung (bei einigen Modellen),besseren Feuchteschutz und damit weniger Schimmelrisiko,geringeren Installationsaufwand und Kosten im Vergleich zu einer zentralen Anlage.Bestandsaufnahme: Was ich zuerst prüfe
Bevor ich an die Planung gehe, mache ich eine Bestandsaufnahme. Dafür schaue ich mir an:
die Gebäudehülle: Wandaufbau, Material (Ziegel, Beton), vorhandene Installationskanäle,Fensterqualität und Abdichtung – sind Rollladenkästen vorhanden, die als Kanal dienen könnten?,die Raumaufteilung: Wo werden Küche, Bad und Schlafzimmer belüftet?,Elektrische Versorgung: sind genug Steckdosen vorhanden oder muss neu gelegt werden?,Fassadenzustand und mögliche Kernbohrstellen – wo kann ich ohne grossen Aufwand nach aussen führen?Oft ergibt sich: Außenwandbohrungen für einzelne Durchlässe sind am wenigsten invasiv. In Wohnungen mit Balkonen verwende ich gerne die Rückwand neben dem Balkon, um Sichtschutz und Dämmung zu erhalten.
Welches Zehnder-Modell passt?
Zehnder bietet verschiedene dezentrale Geräte (z. B. ComfoAir, ComfoAir Single-Room oder ähnliche Serien). Wichtige Kriterien bei der Auswahl:
Wärmerückgewinnung: Möchte ich eine Wärmerückgewinnung (höherer Komfort, längere Amortisation)?Schallleistung: Besonders in Schlafzimmern wichtig – auf dB(A)-Werte achten.Filterstufen: Pollen- und Feinstaubfilter (z. B. G3/F7) für bessere Innenraumluft.Montageart: Durch die Aussenwand oder in ein Fenster-/Rollladenkasten-Detail integrierbar?Bedienung und Regelung: App-Steuerung, Feuchtesensoren oder einfache Stufen.Für minimalinvasive Installationen bevorzuge ich einzelne Geräte für Schlaf- und Wohnzimmer mit Wärmerückgewinnung, statt einer komplexen zentralen Lösung. Das reduziert Aufbau- und Eingriffszeit.
Planung der Einbauorte
Bei der Positionierung orientiere ich mich an folgenden Regeln:
Schlafräume: direkte Aussenwand für Ruhe und kurze Wege. Geräuschpegel ist kritisch.Küche/Badezimmer: Ideal sind Lüfter in Außenwandnähe, damit Dampf und Gerüche schnell abgeführt werden.Verbindungsluft: Bei offenen Grundrissen sollte die Luftführung so geplant werden, dass Frischluft in Aufenthaltsräumen nachströmt, ohne Zugwirkungen zu verursachen.Ich markiere Bohrpunkte und überprüfe innen auf Leitungen/Installationen mit einem Leitungssucher. Bei dicken Aussenwänden (z. B. 1970er-Ziegel) ist eine Kernbohrung erforderlich; das ist zwar kleiner Eingriff als ein Kanalsystem, aber präzise Planung spart Ärger.
Schritt-für-Schritt: Installation mit minimalem Aufwand
So gehe ich in der Praxis vor:
Vorbereitung: Gerät, passende Durchführhülse und Dichtung, Putzwerkzeug, Silikon. Schutzabdeckungen und Staubschutz (Säcke, Folien) bereitstellen.Bohrung: Kernbohrung in der vorgesehenen Wand. Ich bohre meist etwas schräg nach unten, damit Kondensat und Regenwasser nicht reinlaufen können. Bohrung durch die Fassade – Durchmesser je nach Gerät (meist 150–200 mm).Einsetzen der Hülse: Außen- und Innenhülse einsetzen, mit Dichtband und Schaumstoff dämmen, damit keine Wärmebrücke entsteht.Gerät montieren: Gerät in die Innenhülse einführen, Befestigung nach Herstellerangaben (Schrauben, Montageplatte). Elektrischer Anschluss an eine geschaltete Steckdose oder Direktanschluss (von Elektrofachkraft, wenn festverdrahtet).Aussenabschluss: Abdeckung und Insektenschutz anbringen. Bei Sichtschutz-Anforderungen verwende ich passende Gitter oder Abdeckungen.Elektrik, Steuerung und Sicherheit
Die Geräte benötigen Strom. Bei einfachen Plug-and-play-Modellen genügt eine Steckdose; bei festverdrahteten Varianten muss ein Elektriker den Anschluss herstellen. Ich achte auf:
Absicherung – meistens 10–16 A reicht.Potentialfreie Steuerungen, wenn mehrere Geräte synchron laufen sollen.Bautenschutz: Bei Kernbohrungen achte ich darauf, dass keine tragenden Elemente beschädigt werden; bei Unsicherheit konsultiere ich einen Statiker.Feuchtigkeit, Kondensat und Dämmung
Kondensatbildung ist selten bei korrekt dimensionierten Zehnder-Geräten mit Wärmerückgewinnung, aber möglich. Deshalb:
Dämmung der Durchführhülse gegen Wärmebrücken ist Pflicht.Innenraumdichtung gegen Schlagregen (Aussenbereich) prüfen.Bei kalten Aussenwänden kann eine zusätzliche Aussenwanddämmung an kritischen Stellen sinnvoll sein – überlegt man nur lokal und minimalinvasiv.Lärm und Akustik
Geräusch ist oft das grösste Argument gegen dezentrale Lüftungen. Ich teste in der Praxis die dB(A)-Werte in unterschiedlichen Betriebsstufen. Tipps zur Minimierung:
Wahl eines leisen Modells (Achten auf SFP und Schalldruckangaben),Montage mit Entkopplung (Gummipuffer),Innenabschluss mit Schalldämmmaterial (z. B. Akustikschaum hinter der Innenblende),regelmäßiger Filterwechsel – verschmutzte Filter erhöhen den Geräuschpegel.Wartung und Filterwechsel
Ein grosser Vorteil dezentraler Geräte ist die einfache Wartung: Filterwechsel alle 3–12 Monate, je nach Belastung (Pollen, Stadtluft). Ich empfehle:
ein Wartungsheft führen (Datum Filterwechsel, Prüfungen),evtl. Ersatzfilter und Dichtungen vorrätig halten,jährliche Sichtprüfung der Aussenöffnungen (Vogelnester, Schmutz),bei Wärmerückgewinnung: Überprüfung der Wärmetauscher und Reinigung nach Herstellerangaben.Kosten, Amortisation und Fördermöglichkeiten
Die Kosten variieren: Gerät (ca. CHF 400–1'400 pro Stück, je nach Modell), Bohrung und Montage (CHF 200–600 pro Durchbruch bei Handwerkerauftrag), Elektrik und Zubehör. In einer 1970er-Wohnung setze ich meist 2–4 Geräte ein, je nach Zimmeranzahl.
| Posten | Richtwert (CHF) |
| Gerät (Zehnder Single-Room) | 400–1'200 |
| Kernbohrung & Montage | 200–600 |
| Elektrik / Anschluss | 100–400 |
| Filter / Wartung pro Jahr | 50–150 |
Förderungen: In der Schweiz gibt es kantonale und bundesweite Förderbeiträge für Energieeffizienz-Massnahmen. Ich überprüfe vor Projektstart die kantonale Energieberatungsstelle – oft gibt es Zuschüsse oder zinsgünstige Kredite.
Meine besten Praxistipps
Beginne mit den wichtigsten Räumen (Schlafzimmer, Wohnzimmer, Bad). Teste ein Gerät, bevor du weitere kaufst.Kommuniziere mit der Hausverwaltung: Genehmigungen für Fassadenöffnungen sind oft nötig.Dokumentiere Bohrungen und Montage – bei späteren Renovationen hilft das den Handwerkern.Wähle Filter mit Pollen- und Feinstaubklasse, wenn du in einer Stadt wohnst.Plane Rückfallebenen: Bei starkem Wind oder Regen kann eine Abdeckung notwendig sein.Eine dezentrale Zehnder-Lösung kann in einer 1970er-Wohnung viel Komfort und Gesundheit bringen – und das mit begrenztem Renovationsaufwand. Wenn du magst, beschreibe mir kurz die Situation deiner Wohnung (Aussenwände, Zimmeranzahl, Fenster) und ich gebe dir eine grobe Empfehlung, wie viele Geräte sinnvoll sind und wo sie am besten montiert werden sollten.