Als ich vor einigen Jahren meine erste Faserzementfassade sanierte, habe ich gelernt: Risse entstehen selten zufällig – meist sind es Fehler in der Unterkonstruktion, falsche Befestigung oder ungeeignete Dichtungs- und Anschlusstechnik. Heute teile ich meine erprobte Vorgehensweise, damit Sie Ihre Faserzementfassade ohne Risse und mit einer korrekten Unterkonstruktion sanieren können.
Warum Faserzementfassaden Risse bekommen
Bevor ich mit der Praxis beginne, ist es wichtig zu verstehen, warum Risse auftreten. Faserzementplatten sind formstabil, aber sie reagieren auf Temperatur- und Feuchteschwankungen. Häufige Ursachen sind:
Ungenügende Bewegungsfugen oder zu enge StossfugenStarre Befestigung ohne Spiel für AusdehnungFehlerhafte oder feuchte UnterkonstruktionMechanische Spannungen durch Windlasten oder SetzungenUnsachgemässe Bearbeitung der Platten (z. B. falsches Bohren oder Schneiden)Material- und Werkzeugauswahl
Ich wähle Materialien bewusst aus: Für die Unterkonstruktion bevorzuge ich verzinkte Aluminium- oder Holzlatten mit ausreichender Tragfähigkeit. Aluminium ist wartungsfrei und verzieht sich weniger, Holz kann günstiger sein, benötigt aber sorgfältige Behandlung gegen Feuchtigkeit.
Empfohlene Werkzeuge:
Akkuschrauber mit DrehmomentbegrenzungFeinzahn-Säge oder Trennscheibe für Faserzement (mit Staubabsaugung oder Atemschutz)Winkelschleifer mit geeigneter Trennscheibe (nur bei staubarmen Verfahren)Laser-Nivellement oder WasserwaageBohrer mit diamantbeschichteter Spitze für präzise LöcherDichtstoffe (MS-Polymer oder geeignete Silicon-Alternativen) und EPDM-DichtbänderVorbereitung: Zustand prüfen und Planung
Zuerst inspiziere ich die bestehende Fassade: Sind Platten gebrochen, sind verdeckte Schäden an der Holzunterkonstruktion vorhanden, wie sieht der Sockelbereich aus? Ich messe Ebenheiten und notiere die Ausdehnungsrichtungen (horizontal/vertikal), damit Bewegungsfugen korrekt angeordnet werden können.
Wichtige Planungsentscheidungen:
Abstand der Unterkonstruktionslatten (bei Faserzement oft 400–600 mm, abhängig von Plattendicke und Herstellerangaben)Art der Befestigung: sichtbare Schrauben mit Gummischeiben oder verdeckte BefestigungssystemePosition und Breite der Dehnfugen (mind. 6 mm bei Plattenstärken bis 8 mm, Herstellerangaben beachten)Unterkonstruktion korrekt ausführen
Die Unterkonstruktion ist das Herzstück. Ich arbeite schrittweise:
Latten fest an der Wandlage ausrichten: Mit einem Laser oder langen Wasserwaagen richte ich die erste Reihe exakt aus. Eine schiefe Unterkonstruktion führt zu punktuellen Spannungen und späteren Rissen.Abstand und Befestigung: Ich halte mich an die Herstellerangaben der Faserzementplatten. Bei 8 mm Platten setze ich in der Regel 400 mm Achsabstand. Jede Latte befestige ich mit geeigneten Dübeln/Schrauben, die für den Untergrund (Beton, Mauerwerk, Holzständer) zugelassen sind.Belüftung: Hinterlüftete Fassaden funktionieren am besten. Ich achte auf einen lüftbaren Spalt von mindestens 20–30 mm zwischen Wand und Unterkonstruktion, damit Feuchtigkeit abführen kann.Wärmedämmung integrieren: Falls Dämmung nötig ist, plane ich sie zwischen Wand und Unterkonstruktion, ohne die Hinterlüftung zu blockieren. Stosskanten der Dämmung versehe ich mit Dampfsperren oder geeigneten Kantenschutzprofilen.Befestigung der Faserzementplatten
Bei der Befestigung gilt: Spiel lassen, nicht starr fixieren. Ich verwende meist verzinkte oder rostfreie Schrauben mit EPDM-Unterlegscheiben — sie verhindern punktuelle Spannungen und Wasseraufnahme.
Bohren: Vorbohren mit einem passenden Bohrer minimiert Rissbildung; die Bohrlöcher sollten etwas größer als die Schraube sein, damit seitliche Bewegungen möglich sind (Gleitspiel).Abstand zu Kanten: Mindestens 20–30 mm Randabstand einhalten, sonst splittern die Platten.Schrauben nicht überdrehen: Mit Drehmomentbegrenzung arbeiten, damit die Unterlegscheibe das Material anliegt, aber die Platte nicht eingedrückt wird.Dehn- und Stossfugen richtig ausführen
Dehnfugen sind entscheidend, um temperaturbedingte Längenänderungen zu kompensieren. Ich mache folgende Erfahrungen:
Horizontale Stossfugen sollte ich nach Möglichkeit in den Randbereichen von Platten oder an Profilen anordnen.Fugenbreite: Je nach Plattendicke 6–12 mm; bei grossen Flächen zusätzliche horizontale Dehnfugen vorsehen.Dichtung: Fugen fülle ich mit einem geeigneten, elastischen Dichtstoff (z. B. MS-Polymer). Vorher klebe ich EPDM- oder PE-Schaumbänder als Hinterfüllmaterial ein, damit der Dichtstoff nur an den Fugenflanken haftet und elastisch bleibt.Anschlüsse, Fenster und Sockel
Besonders kritisch sind die Übergänge zu Fenstern, Türen und dem Sockel:
Fenster: Anschlussprofile und Anschlussfolien (Dichtungsbahnen) verwenden. Eine Wasserführung und Tropfkanten sind Pflicht.Sockel: Sockelprofile (Schwellenanschluss) montieren und Übergang zur Abdichtung sorgfältig ausbilden. Sockelbereiche sind besonders feuchtigkeitsbelastet – hier setze ich robuste, abriebfeste Materialien und zusätzliche Belüftungsöffnungen ein.Oberflächenbehandlung und Wartung
Faserzementplatten sind relativ pflegeleicht, aber die richtige Beschichtung und regelmäßige Kontrolle verlängern die Lebensdauer erheblich:
Primer und Farbe: Verwenden Sie Herstellerempfohlene Grundierungen und Fassadenfarben. Diffusionsoffene Systeme sind wichtig, damit Feuchtigkeit aus der Wand entweichen kann.Reinigung: Schmutz und Algen mit weichem Reinigungsmittel und Bürste entfernen. Hochdruckreiniger setze ich nur sehr vorsichtig ein (grosse Entfernung, niedriger Druck).Inspektion: Einmal jährlich Schrauben kontrollieren, Fugen prüfen und bei Bedarf erneuern.Praktische Checkliste vor dem Start
| Check | Erledigt |
| Untergrund auf Feuchte und Tragfähigkeit geprüft | |
| Unterkonstruktion dimensioniert (Abstand/Material) | |
| Belüftungsabstand eingeplant | |
| Dehnfugenpositionen festgelegt | |
| Geeignete Schrauben und Dichtstoffe vorhanden | |
| Schutz- und Atemschutzmaterialien (Staub) vorhanden | |
Wenn Sie diese Schritte beachten, reduzieren Sie das Risiko von Rissen erheblich. Gerne unterstütze ich Sie mit einer individuellen Einschätzung oder Produktempfehlungen – schreiben Sie mir über Webergipser, wenn Sie Fragen zu Ihrem konkreten Projekt haben.