Bei sichtbaren Holzbalkendecken stoße ich immer wieder auf dieselbe Frage: Woher kommt die Feuchte, und was hilft wirklich, ohne die Decke oder das Gebäude langfristig zu schädigen? In meinen Projekten habe ich gelernt, systematisch vorzugehen: erst die Ursachen klären, dann gezielt sanieren. Hier teile ich meine Vorgehensweise, praktische Prüfmethoden und welche Reparaturmörtel sich in welchen Fällen bewährt haben.
Erst beobachten: visuelle Kontrolle und Ersteindruck
Bevor ich zum Messgerät greife, schaue ich mir die Decke genau an. Typische Hinweise, die ich suche:
Diese erste Begehung gibt oft schon Hinweise darauf, ob es sich um akute Leckagen, Kondensation, kapillaren Feuchteaufstieg oder statische Probleme handelt.
Messgeräte und Tests — was ich benutze
Für eine fundierte Einschätzung setze ich immer folgende Werkzeuge ein:
Ich dokumentiere alle Messwerte und vergleiche sie über mehrere Tage, weil Feuchte oft zeitlich schwankt (z. B. nach Regen oder Heizen).
Typische Feuchteursachen und wie ich sie unterscheide
In meiner Praxis treffe ich vor allem auf diese Ursachen:
Die Kombination aus Wärmebildkamera und Messreihen (Tagesverlauf) hilft mir, «statisch» (Aufsteigende Feuchte) von «dynamisch» (Leck/regelmässiger Wassereintrag) zu trennen.
Holz vorbereiten: Trocknen, sanieren, schützen
Wenn die Ursache behoben ist, steht die Holzsanierung an. Je nach Schadensbild gehe ich so vor:
Putz und Fugen: welche Reparaturmörtel ich empfehle
Die Auswahl des richtigen Mörtels ist zentral: Bei historischer Bausubstanz und sichtbaren Balkendecken rate ich fast immer zu kalk- bzw. hydraulischem Kalkmörtel statt reinen Zementmörteln. Warum? Weil sie diffusionsoffen sind und Feuchte regulieren können — Zement schliesst die Wand ab und kann Feuchtigkeitsprobleme verschärfen.
| Typ | Eigenschaften | Geeignet für | Beispiel-Marken |
|---|---|---|---|
| Naturkalk / NHL (hydraulischer Kalk) | diffusionsoffen, elastisch, kompatibel mit Altbau | historische Wände, Sichtbalkendecken, Reparaturen im Bestand | Saint-Astier, Baumit (Kalkmörtel) |
| Kalk-Zement-Reparaturmörtel | höhere Festigkeit, moderat diffusionsoffen | wenn statische Anforderungen + gewisse Feuchte | Knauf, Mapei |
| Zementbasierte Schnellreparaturmörtel | sehr fest, wenig diffusionsoffen | nur bei Beton-/Estrichreparaturen, nicht direkt an histor. Holz-Bauanschlüssen | Ardex, Sika |
In der Praxis habe ich gute Erfahrungen mit NHL-basierten Produkten (z. B. Saint-Astier NHL) gemacht, wenn die Decke diffusionsoffen bleiben soll. Für Putzflächen um Balkenauflager und bei Bedarf aufeinander abgestimmte Schichten nutze ich oft ein zweilagiges System: Grundputz mit NHL, Oberputz fein abgestimmt. Bei Rissen und Ausbrüchen wähle ich einen feinkörnigen Reparaturmörtel, der sich gut mit dem Bestand verbindet (z. B. Mapei oder Knauf Reparaturmörtel auf Kalkbasis).
Praktisches Vorgehen beim Verputzen um Balken
Was ich bei Schimmel und Salz beachten: spezielle Maßnahmen
Bei sichtbarem Schimmel wische ich zuerst mechanisch (Bürste, Staubsauger mit HEPA), dann lokal mit einer alkalischen Lösung (z. B. Wasser mit >5% Natronlauge bei starkem Befall) arbeiten — aber Achtung: Schutzkleidung. Bei salzhaltigen Ausblühungen ist Salzanalyse sinnvoll, denn Salze verändern die Putzwahl: salzresistente, diffusionsoffene Mörtel verwenden und gegebenenfalls ein Trennsubstrat (Entsalzungsschicht) vorsehen.
Langfristig denken: Lüftung, Dämmung und Wärmebrücken
Oft sind Feuchteprobleme nicht nur baulich, sondern auch nutzungsbedingt: mangelhaftes Lüften, hohe Feuchtequellen (Kochen, Duschen) oder fehlende/dünne Dämmung. Ich prüfe immer die Kombination aus baulicher Sanierung und Nutzerverhalten:
Wenn Sie möchten, kann ich Ihnen anhand von Fotos oder Messwerten eine Einschätzung für Ihr konkretes Projekt geben und konkrete Produkte vorschlagen — gern mit Mengenberechnung und Arbeitsschritten. Schreiben Sie mir über die Kontaktseite von Webergipser oder hängen Sie hier Bilder an, damit ich mir ein genaueres Bild machen kann.