Sicherheitsberatung

So entferne und entsorge ich asbestfliesen sicher: checklisten, schutzkleidung und wann ich profis brauche

So entferne und entsorge ich asbestfliesen sicher: checklisten, schutzkleidung und wann ich profis brauche

Warum dieses Thema wichtig ist

Asbestfliesen in Altbauten sind häufig anzutreffen — insbesondere in Gebäuden, die vor den 1990er-Jahren gebaut oder renoviert wurden. Als Handwerkerin und Betreiberin von Webergipser sehe ich immer wieder, wie unsicher Menschen mit dem Thema umgehen. Falsch entfernte Asbestfasern können in der Luft bleiben und langfristige Gesundheitsschäden verursachen. Deshalb erkläre ich hier praxisnah, wie ich Asbestfliesen sicher erkenne, entferne und entsorge — und wann ich unbedingt Profis hinzuziehen würde.

Erkennen und prüfen: Sind es wirklich Asbestfliesen?

Bevor ich irgendetwas mache, stelle ich zuerst fest, ob es sich tatsächlich um asbesthaltige Fliesen handelt. Optisch ist das nicht zuverlässig möglich, daher gehe ich so vor:

  • Irrtum vermeiden: Viele ältere Vinyl- oder "PVC"-Fliesen wurden mit Asbest hergestellt, besonders in 2–4 mm Stärke und mit textilem Träger.
  • Dokumente prüfen: Baupläne, Rechnungen oder Renovationsunterlagen können Hinweise geben.
  • Probebestimmung: Ich entnehme — falls möglich und sicher — eine kleine Probe und lasse sie in einem akkreditierten Labor analysieren. In der Schweiz nutze ich häufig lokale Labore, die Asbestanalysen anbieten; das ist die einzige sichere Methode.
  • Sicherheitsregel: Solange keine Laboranalyse vorliegt, behandle ich das Material als asbesthaltig.

Wann ich auf Profis setze

Es gibt Situationen, in denen ich nicht selbst handele, sondern eine spezialisierte Fachfirma beauftrage:

  • Große Flächen: Bei mehr als 10 m² empfehle ich immer professionelle Entfernung mit geeigneter Absaugung und luftdichter Abtrennung.
  • Gebäude mit empfindlichen Personen: Spitäler, Schulen, Kindergärten oder wenn ältere oder immunsupprimierte Menschen im Gebäude sind.
  • Komplexe Strukturen: Wenn Fliesen verklebt, unter Schichten sind oder Wände/Decken betroffen sind.
  • Unklare rechtliche Rahmenbedingungen: Bei Unsicherheit über Entsorgungs- oder Meldepflichten (z. B. kantonale Vorschriften) lasse ich das von Profis regeln.

Schutzkleidung und persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Wenn ich kleinere Flächen selbst entferne, trage ich immer vollständige PSA. Jeder Kompromiss erhöht das Risiko.

  • Atemschutz: P3-Filtermasken (z. B. FFP3) oder besser ein Atemschutzgerät mit Filterklasse P3. Ein eng anliegender Gesichtsschutz ist wichtig.
  • Schutzanzug: Ein Einweg-Ganzkörperanzug (Typ 5/6) mit Kapuze; die Nähte sollten geklebt sein. Marken wie DuPont Tyvek sind gängig.
  • Handschutz: Nitrilhandschuhe unter robusten Arbeitshandschuhen.
  • Schuhschutz: Überziehstiefel oder wiederverwendbare Gummistiefel mit Abdeckungen, die sich leicht abstreifen lassen.
  • Augenschutz: Dichte Schutzbrille.

Werkzeuge und Hilfsmittel

Die richtige Ausrüstung reduziert Staub und Faserausbreitung erheblich:

  • Nassverfahren: Sprühflasche mit Wasser + Netzmittel (z. B. Spülmittel) zur Benetzung der Fliesenkanten.
  • Handwerkzeuge: Flachmeissel, Spachtel, Schaber — alles manuell, nie mit Scheibenfräse oder Schlagbohrern.
  • Staubsauger mit HEPA-Filter (H13/H14) — nur spezielle Absauganlagen für Asbest geeignet.
  • Plastikfolien (200 µm) zum Abdecken und Abkleben, Klebeband mit hoher Haftkraft, Absperrbänder.
  • Entsorgungsbehälter: Asbestabfall in speziellen, reissfesten, doppelten Asbest-Säcken (in der Schweiz oft als "Asbest-Sack" bezeichnet) oder in kontaminierten, gekennzeichneten Behältern.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: Kleine Fläche sicher entfernen

Hier beschreibe ich, wie ich bei einer kleinen Fläche (z. B. eine Küche mit wenigen m² Asbestfliesen) vorgehe:

  • Bereich vorbereiten: Raum ausschalten, Lüftungen und Türen abdichten. Ich stelle Warnschilder auf und sperre den Bereich ab.
  • Benetzen: Vor jedem Abheben und während des Arbeitens sprühe ich die Flächen leicht mit Wasser (nicht durchnässen). Das reduziert freiwerdende Fasern.
  • Fliesen abheben: Mit flachem Spachtel oder Meissel die Fliese vorsichtig unterfahren und abheben. Ich arbeite langsam, vermeide Absplitterungen und breche die Stücke nicht auseinander.
  • Stücke sammeln: Direkt in die Asbest-Säcke legen. Größere Platten kann ich vorher sanft befeuchten und in ein Plastikblatt einrollen.
  • Oberfläche reinigen: Nach Entfernen der Fliesen reinige ich die Fläche wieder feucht — keine Trockenreinigung, kein Abfegen. Anschließend mit HEPA-Staubsauger arbeiten.
  • Abfall verschliessen: Säcke luftdicht zubinden, mit Warnaufklebern versehen und gemäß kantonalen Vorschriften lagern/transportieren.

Alternativen zur Entfernung: Einschleifen, Überbauen, Einkapseln

Entfernung ist nicht immer die einzige Lösung. Manchmal sind folgende Optionen sinnvoll:

  • Einkapseln: Die Fliesen mit speziellen Beschichtungen überziehen, die Fasern dauerhaft binden. Geeignet bei unbeschädigten Fliesen.
  • Überbauen: Neue Bodenbeläge aufbringen (z. B. Sperrholz + Vinyl), wenn die Statik und Aufbauhöhe es erlauben.
  • Lokale Reparatur: Nur beschädigte Stellen fachgerecht abdichten, statt komplette Entfernung.

Diese Lösungen reduzieren Risiko und Kosten, müssen aber dokumentiert und bei späteren Arbeiten berücksichtigt werden.

Entsorgung: Was in der Schweiz zu beachten ist

Entsorgung von Asbestabfall ist in der Schweiz streng geregelt. Ich halte mich an folgende Punkte:

  • Keine Hauskehrichtentsorgung: Asbest gehört nicht in den normalen Hausmüll.
  • Kantonale Anordnung: Viele Kantone verlangen, dass Asbestabfall zu speziellen Annahmestellen oder Deponien gebracht wird. Ich erkundige mich beim kantonalen Amt für Umwelt oder bei der Gemeinde.
  • Transport: Asbest-Säcke müssen dicht verschlossen und am besten in geschlossene Fahrzeuge geladen werden. Unter Umständen ist ein Transport nur durch zertifizierte Firmen erlaubt.
  • Dokumentation: Entsorgungsnachweise und evtl. Analysezertifikate aufbewahren — wichtig für spätere Verkäufe oder Renovationen.
  • Firmen-Angebot: Viele Abfallsammelstellen verlangen Voranmeldung und spezielle Kennzeichnung der Lieferung.

Fehler, die ich unbedingt vermeide

Aus Erfahrung nenne ich die häufigsten Fehler, die ich strikt vermeide:

  • Trockenabkratzen oder -schleifen — das setzt Fasern frei.
  • Verwenden von Haushaltsstaubsaugern — ohne HEPA-Filter sind sie gefährlich.
  • Asbestmüll offen lagern oder mit anderen Abfällen mischen.
  • Unzureichende Kennzeichnung oder fehlende Laborbestätigung vor der Entsorgung.

Checkliste: Kurzüberblick für die Arbeit

Vor dem Eingriff Während der Arbeit Nach dem Eingriff
  • Laboranalyse (falls möglich)
  • Abklärung kantonaler Entsorgungsregeln
  • PSA vorbereiten
  • Absperrung & Beschilderung
  • Flächen benetzen
  • Nur manuelle Werkzeuge
  • HEPA-Staubsauger benutzen
  • Abfall direkt verpacken
  • Fläche feucht reinigen & absaugen
  • Abfall gemäß Vorgaben entsorgen
  • Dokumente/Nachweise aufbewahren
  • Kontrolle auf Restfasern (visuell/evtl. Messung)

Persönlicher Rat

Ich habe gelernt, dass Vorsicht und gute Vorbereitung den Unterschied machen. Für wenige Quadratmeter in einem normalen Wohnbereich kann ein sachgemässes Vorgehen mit PSA und feuchtem, manuellem Entfernen ausreichend sein — vorausgesetzt, ich habe die Bestätigung, dass es Asbest ist, und ich kenne die kantonalen Entsorgungsregeln. Bei größeren Flächen, komplexen Situationen oder wenn ich unsicher bin, hole ich unverzüglich eine zertifizierte Asbestfirma hinzu. Die einmaligen Kosten stehen in keinem Verhältnis zum gesundheitlichen Risiko.

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