Warum ich dieses Projekt angegangen bin
Als Handwerkerin, die seit Jahren Renovationen begleitet, stoße ich immer wieder auf dasselbe Problem: Altbauten haben Toiletten, die weder für ältere Menschen noch für Menschen mit eingeschränkter Mobilität geeignet sind. In einem meiner letzten Projekte habe ich eine winzige Altbau-Toilette in ein barrierefreies Bad verwandelt. In diesem Beitrag beschreibe ich meine Vorgehensweise zu Abwasseranschluss, Tragschichten und möglichen Förderungen — praxisnah und direkt anwendbar für Heimwerkerinnen und Profis. Mehr dazu und weitere Anleitungen finden Sie auf Webergipser (https://www.webergipser.ch).
Erst prüfen: Raum, Höhen und Anschlussbedingungen
Bevor ich Werkzeuge auspacke, mache ich eine Bestandsaufnahme:
- Raummasse messen (Türbreite, Bewegungsfläche, Platz für WC und Waschtisch).
- Türöffnungen prüfen — für Barrierefreiheit empfehle ich mindestens 80 cm freie Türöffnung, besser 90 cm.
- Fußbodenhöhe und bestehender Abwasseranschluss lokalisieren: Direktes Gefälle zum Fallrohr? Muss ich eine Hebeanlage einbauen?
- Elektrische Zuleitungen und Heizkörper berücksichtigen (Ev. Warmwasser-Boiler umsetzen?).
Wenn das Fallrohr nicht in der richtigen Position oder zu hoch liegt, plane ich entweder eine Hebeanlage (für Zulauf unterhalb Rückstauebene) oder eine Variante mit bodengleicher Dusche und Umverlegung des Abflusses. Bei denkmalgeschützten Altbauten kläre ich vorab die Auflagen der Denkmalpflege.
Barrierefreie Grundlagen: Maße und Funktionen
Für mich sind die wichtigsten Kriterien:
- Freiflächen vor dem WC: mindestens 90 × 120 cm, damit Rollstühle manövrieren können.
- Sitzhöhe des WCs: 46–48 cm ist ideal; höhenverstellbare WCs oder Aufsatz sind Optionen.
- Stützhaltegriffe: fest verankert in einer tragfähigen Wand oder mit zusätzlicher Montageplatte.
- Türanschlag nach außen oder Schiebetür, um Innenraum nicht zu blockieren.
Bei einem engen Altbauraum empfehle ich eine Sitz-Toilette mit integrierter Bidetfunktion (z. B. von Geberit oder Toto) oder ein wandhängendes WC mit Vorwandinstallation, das Platz schafft und Reinigungsaufwand reduziert.
Abfluss: Planung und technische Details
Der Abwasseranschluss bestimmt oft, ob ein Eingriff unkompliziert bleibt oder eine größere Rohinstallation nötig ist. Das sind meine wichtigsten Punkte:
- Fallrohrhöhe messen: Unterkante Montageelement/Anschlussstutzen muss zur Geruchs- und Ablauftechnik passen.
- Neigung beachten: Ein Standard-Gefälle von 1–2 % (1–2 cm pro Meter) ist für Grundleitungen üblich.
- Vorhandener Schacht oder Kanalisationsanschluss: einfache Verlängerung oder Umlenkung sind möglich.
- Hebeanlage: Wenn das WC unterhalb der Kanalisation liegt, wähle ich eine geprüfte Hebeanlage (z. B. SFA Sanibroy oder Kessel) mit ausreichend Leistungsreserve.
- Geruchsschutz und Rückstauklappe: unbedingt einplanen, vor allem in tiefer gelegenen Räumen.
Bei der Verlegung achte ich auf dichte Muffenverbindungen (z. B. PP-Rohre), frostsichere und zugängliche Einbauten sowie Revisionsöffnungen, damit spätere Wartung möglich ist.
Tragschichten und Estrich: Aufbau in historischen Gebäuden
Altbauten haben oft unregelmäßige Geschossdecken und historische Holzbohlen. Hier ist mein Vorgehen:
- Bestandsprüfung der Unterkonstruktion: Holzträger auf Tragfähigkeit prüfen, Schadholz oder Wurmbefall ausschließen.
- Bei Holzbalkendecken: Entkoppelnder Aufbau mit Schalldämmung (z. B. Trittschalldämmplatten) und schwimmendem Estrich auf Trockenbausystem (Anhydritplatten oder Trockenestrich von Fermacell).
- Bei Betondecken: Dünnschicht-Estrich möglich; bei Höhenbegrenzung bevorzugt man leichte Estrichsysteme.
- Niveauausgleich: Für eine barrierefreie Schwelle muss der Boden evtl. aufgedämmt werden — hierbei auf Türhöhen und angrenzende Räume achten.
- Feuchtigkeitsbarriere: Bei Nasszonen wie bodengleicher Dusche verwende ich Abdichtungssysteme von Sika oder Mapei und arbeite nach SIA/EN-Normen.
Ich dokumentiere dabei jede Schicht: Träger, Dämmung, Estrich, Abdichtung, Belag — das hilft bei späteren Anpassungen oder Gewährleistungsfragen.
Bodengleiche Dusche vs. separates WC-Raum
Je nach Platz entscheide ich mich für eine von zwei Varianten:
- Bodengleiche Dusche mit WC in einem barrierefreien Nassraum: praktisch, wenn genug Fläche vorhanden ist — rutschfeste Beläge (R9–R11), Abflussposition und Gefälle sorgfältig planen.
- Getrennter WC-Raum mit Türbreite und Haltegriffen: sinnvoll bei sehr kleinen Räumen; hier sorgt eine hohe Sitzposition und platzsparende Waschtische für Komfort.
Ich verwende gern schlanke Duschrinne-Systeme (z. B. Viega Advantix) bei engen Bädern, weil sie wenig Platz beanspruchen und sich optisch gut integrieren lassen.
Materialwahl und Praxis-Tipps
Aus Erfahrung empfehle ich:
- Rutschfeste Keramik- oder Vinylbeläge mit hohem Abrieb (PVC mit Schutzschicht oder Design-Vinyl) für Pflegeleichtigkeit.
- Robuste Wandbeschichtungen: glatte, pflegeleichte Fliesen oder feuchtraumgeeignete Farben.
- Stabile Haltegriffe mit 150–200 kg Tragfähigkeit, verschraubt in einer Befestigungsplatte.
- Hochwertige Armaturen mit Einhandbedienung und Thermostat; berührungslos wäre ein Plus.
Ich teste immer die ergonomische Höhe von WC und Waschtisch, indem ich die späteren Nutzer vorab einbeziehe — das vermeidet Fehlentscheidungen.
Förderungen und Finanzierung in der Schweiz
Förderungen können einen entscheidenden Unterschied machen. Meine Vorgehensweise bei der Suche nach Unterstützung:
- Immer lokal beginnen: Kantonale und kommunale Förderprogramme prüfen (z. B. Gebäudeprogramme, Energie- und Wohnbauförderungen).
- Prüfung von Invalidenversicherung (IV) oder Ergänzungsleistungen: Bei medizinisch begründeten Umbauten können Kosten ganz oder teilweise übernommen werden.
- Steuerliche Abzüge: Handwerker- und Renovationskosten können in manchen Kantonen steuerlich absetzbar sein — Steueramt fragen.
- Zusätzliche Hilfe von Organisationen wie Pro Senectute oder Pro Infirmis: Informations- und Beratungsleistungen sind oft kostenlos.
| Förderquelle | Was prüfen |
| Kanton/Gemeinde | Bauprogramme, Zuschüsse für altersgerechtes Wohnen |
| IV / Versicherungen | Medizinisch notwendige Anpassungen |
| Steueramt | Abzugsfähigkeit von Renovationskosten |
| Sozial-/Seniorenorganisationen | Beratung, kleine Zuschüsse oder Vermittlung von Dienstleistern |
Konkrete Unterstützung variiert stark nach Kanton und Einzelfall — mein Tipp: frühzeitig bei der Gemeinde und dem Sozialdienst nachfragen und Kostenvoranschläge sammeln.
Praktische Checkliste für die Umsetzung
- Maße aufnehmen (Tür, Bewegungsfläche, Anschlussmaße).
- Fallrohrhöhe messen und Hebeanlagenbedarf klären.
- Tragkonstruktion prüfen (Balken, Decke).
- Abdichtung planen und geeignete Materialien wählen (Sika, Mapei).
- WC-Modell und Haltegriffe auswählen, Montagepunkte markieren.
- Elektrik/Beleuchtung planen (Nachtlicht, Bewegungsmelder).
- Fördermöglichkeiten recherchieren und Anträge rechtzeitig stellen.
- Revisionsöffnungen und Wartungszugänge vorsehen.
Meine Erfahrungen aus der Praxis
In meinem Projekt hat sich gezeigt: Gute Planung spart viel Ärger. Die größte Herausforderung war, im historischen Kontext die Deckenhöhe so zu erhalten, dass die Tür nicht zu schmal wurde. Mit einer Vorwandinstallation konnte ich die Technik verbergen und zugleich genügend Stabilität für Haltegriffe schaffen. Die Hebeanlage war eine kostspielige, aber unverzichtbare Lösung — besser vorher kalkulieren als später improvisieren.
Wenn Sie konkrete Fragen zu Ihrem Projekt haben oder eine Checkliste für Ihre Baustelle möchten, schreiben Sie mir über Webergipser — oft lassen sich Lösungen individuell anpassen, ohne das Budget zu sprengen.